Interview mit Rechtsanwalt und Schadenersatzrechtexperte Mag. Roman Taudes LL.M.: Bitcoin & Co. – Schadenersatz bei Betrugsmodellen mit Kryptowährungen

Mag.-Roman-Taudes-partner-1010-Wien

Wer befürchtet, Opfer eines Online-Betrugsmodells mit Kryptowährungen geworden zu sein, hat viele Sorgen: Wie gehe ich am besten vor? Welche Ansprüche habe ich bei Internet-Betrug? An wen kann ich mich wenden, damit ich mein Geld zurückbekomme? Mag. Roman Taudes, Rechtsanwalt und Spezialist für Schadenersatzrecht, klärt rund um das Thema Betrugsmodelle mit Kryptowährungen im Interview auf.

anwaltfinden.at: Herr Mag. Taudes, könnten Sie sich unseren Usern kurz vorstellen?

Mein Name ist Mag. Roman Taudes. Ich arbeite seit über 10 Jahren in auf Anlegerschutz bzw. Kapitalmarktrecht spezialisierten Anwaltskanzleien. Seit 2017 bin ich selbstständiger Rechtsanwalt bei Aigner Lehner Zuschin Rechtsanwälte und vertrete geschädigte private und institutionelle Anleger bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche.

Ursprünglich aus privater Neugier beschäftige ich mich seit einigen Jahren mit Bitcoin und der dahinterstehenden Blockchain-Technologie. Zwischenzeitig ist es allerdings so, dass ich mich auch beruflich mit Kryptowährungen, vor allem in Zusammenhang mit Anlegerbetrug, intensiv auseinandersetze.

 

anwaltfinden.at: Sie sind unter anderem Experte für Schadenersatzrecht: Welche besonderen Schwierigkeiten ergeben sich hier bei Betrugsmodellen im Internet?

Bei Betrugsmodellen im Internet besteht regelmäßig die größte Herausforderung darin herauszufinden, wer hinter dem Betrug steckt. In vielen Fällen handelt es sich um international tätige kriminelle Organisationen, die von außerhalb der EU die Fäden ziehen, was für die Durchsetzung der Ansprüche eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Durch neue Technologien (Blockchain) und die zunehmende Verwendung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel bedarf es für das Aufspüren der Täter bzw. der Kryptowährungen und der erfolgreichen Anspruchsverfolgung noch zusätzlicher Fachkenntnisse und Know-hows.

 

anwaltfinden.at: Was sind Kryptowährungen? Welche Chancen und Risiken bergen diese?

Unter Kryptowährungen werden im allgemeinen Sprachgebrauch alle digitalen Zahlungsmittel verstanden, die auf der Blockchain-Technologie basieren bzw. die auf einem digitalen Signaturverfahren aufbauen. Die bekannteste Kryptowährung ist sicherlich der Bitcoin. Es gibt jedoch bereits etwa 9000 weitere – bekannte oder wenig bekannte – Währungen, wie Ether, Litecoin, USDT, usw.

Ich persönlich bin überzeugt davon, dass die Blockchain-Technologie früher oder später nahezu alle Bereiche unseres Lebens verändern wird. Nicht ohne Grund setzen sich die klügsten Köpfe der Welt damit auseinander, und sind von den damit einhergehenden Möglichkeiten begeistert.

Eine Chance besteht sicherlich darin, jene Projekte frühzeitig zu erkennen, die werthaltig sind und Zukunft haben. Bereits mit kleinen Investitionen besteht die Möglichkeit große Gewinne zu erzielen. Da die meisten Kryptowährungen sehr volatil und über Kryptobörsen handelbar sind, lassen sich auch durch geschicktes Trading Gewinne erzielen.

Natürlich gibt es jedoch keine Vorteile ohne Nachteile. Investitionen in Kryptowährungen bzw. Kryptotrading sind mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Es gilt der allgemeine Grundsatz: Je höher der erhoffte Ertrag, desto höher auch das Risiko. Wer Geld in die falsche Währung investiert, kann weniger Geld zurückbekommen bzw. sogar einen Totalverlust erleiden. Dessen muss sich jeder Anleger vor einem solchen Investment in Kryptowährungen bewusst sein.

 

anwaltfinden.at: Welche gesetzlichen Regelungen gibt es rund um Kryptowährungen? Schützen sie Konsumenten ausreichend vor Betrugsmodellen?

Kryptowährungen sind ein sehr junges Phänomen. Der Hype rund um Blockchain, Bitcoin und Co. hat in der breiten Bevölkerung erst vor Kurzem eingesetzt. Die nahezu tägliche Berichterstattung über die Preisentwicklung des Bitcoins in traditionellen Medien sowie die Omnipräsenz von Kryptowährungen in Sozialen Medien feuert die Neugierde und Bereitschaft, selbst Investments in diese neue „Assetklasse“ zu tätigen, natürlich an.

Die nationalen und internationalen Gesetzgeber bemühen sich für die durch diese neue Technologie bestehenden Möglichkeiten und Anwendungen geeignete rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen bzw. diese in bestehende Regulierungsrahmen einzugliedern. Eine besondere Herausforderung besteht hierbei sicherlich auf dem Gebiet des Anlegerschutzes und hier hinkt der Gesetzgeber der rasanten Entwicklung und steigenden Beliebtheit von Kryptowährungen hinterher.

 

anwaltfinden.at: Wie kann ich noch vor Investition in Kryptowährungen sicherstellen, dass es sich um kein Betrugsmodell handelt? Worauf sollte ich achten?

Je mehr man sich mit dem Thema auseinandersetzt, desto eher ist man in der Lage, Betrugsmodelle zu identifizieren. Allgemein gilt: Wenn es zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es das in der Regel wahrscheinlich auch nicht. Wenn ein Anbieter das Blaue vom Himmel verspricht oder sogar mit einem risikolosen Modell wirbt, dann sollten die Alarmglocken schon läuten und ist höchste Vorsicht geboten. Vor allem über Soziale Medien und Werbung im Internet versuchen viele Betrüger, die Gutgläubigkeit der Menschen und deren fehlenden Sachverstand im Zusammenhang mit Blockchain und Kryptowährungen auszunutzen.

Die Betrüger verstehen es auch, sich den Gegebenheiten anzupassen. Vor ein paar Jahren war es noch möglich, mit einer kurzen Internetrecherche auf Bewertungsportalen schnell herauszufinden, ob es sich um einen Betrug handelt. Mittlerweile ist das schwieriger geworden. Die Betrüger schreiben gefälschte positive Bewertungen, um den Eindruck zu vermitteln, dass es sich um einen vertrauenswürdigen Anbieter und ein seriöses Modell handelt. Das heißt, mit einer schnellen Internetrecherche ist es nicht getan. Wer sich entsprechend mit der Materie auseinandersetzt, verringert das Risiko einem Betrug aufzusitzen. Es gibt Websites (wie etwa www.bitcoinbetrug.at), die sich auf dieses Thema spezialisiert haben und bei denen Informationen eingeholt werden können. Auf diesem Weg kann man sich das Krypto-Vokabular aneignen und sich über die häufigsten Betrugsmodelle informieren.

Es gibt mittlerweile auch spezielle Programme, mit deren Hilfe man bereits erkennen kann, ob die Adresse, an die man Kryptowährungen überweisen möchte, einem bekannten Betrugsmodell zuordenbar ist. Wer bereits ein Investment ins Auge gefasst hat, kann und sollte sich also an entsprechende Spezialisten wenden und das überprüfen lassen. Das geht schnell und unkompliziert.

 

anwaltfinden.at: Was tun, wenn ich betrogen wurde und es sich z.B. bei der getätigten Investition gar nicht um eine Kryptowährung handelt?

Wenn das Geld schon überwiesen wurde oder die Kryptowährung bereits das eigene Wallet verlassen hat, dann ist die oberste Devise: Schnell handeln. Je rascher man tätig wird, desto höher sind die Chancen, seinen Schaden ersetzt zu bekommen. Regelmäßig versuchen die Betrüger den Verbleib des Geldes bzw. der Kryptowährung zu verschleiern und dieses weiterzuleiten. Zeit ist somit ein wichtiger Faktor.

Auf alle Fälle sollte – im Idealfall mit Unterstützung eines Anwaltes – sofort eine Anzeige bei der Polizei oder eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft gemacht werden. In weiterer Folge sollte die Kryptowährung bei den entsprechenden Börsen eingefroren werden, damit die Betrüger diese nicht weiterüberweisen oder in Euro wechseln können. Auch falls „echtes“ Geld verwendet wurde, sollte rasch gehandelt werden. Am besten sofort an die eigene Bank und die Empfängerbank wenden und dort versuchen, die Überweisung zu stornieren bzw. das überwiesene Geld zurückzuholen.

 

anwaltfinden.at: Wann besteht Anspruch auf Schadenersatz bei Betrugsmodellen mit Kryptowährungen?

Betrugsopfer haben selbstverständlich Anspruch auf Schadenersatz bzw. Rückerstattung der überwiesenen Kryptowährung gegenüber dem Betrüger und allenfalls auch gegenüber Kryptobörsen. Auch können ggf. die Kosten eines Rechtsanwaltes und sonstige damit einhergehende Kosten geltend gemacht werden.

 

anwaltfinden.at: Wie läuft die Geltendmachung der Schadenersatzansprüche ab? Gibt es Fristen, die eingehalten werden müssen?

Bei betrügerischen Handlungen verjähren Schadenersatzansprüche nach 30 Jahren. Je früher der Geschädigte jedoch tätig wird, desto höher die Chance, dass er sein investiertes Kapital zurückbekommt.

Der erste Schritt ist nachzuvollziehen, wohin die überwiesenen Kryptowährungen transferiert worden sind, und wer hinter den Wallets steckt. Ohne das zu wissen, wird es schwierig sein, Ansprüche überhaupt durchzusetzen, weil es keinen Anspruchsadressaten gibt. Mithilfe von Spezialprogrammen kann herausgefunden werden, wo sich die überwiesene Währung befindet. Mit dieser Information besteht die Möglichkeit, die entsprechende Börse aufzufordern, die Kryptowährung einzufrieren, damit der Betrüger keinen Zugriff mehr darauf hat sowie bekanntzugeben, wer hinter der Wallet steht und der Kontoinhaber ist. So kann die Identität des Kontoinhabers in Erfahrung gebracht werden.

Kryptobörsen leisten solchen Aufforderungen meistens aber nur Folge, wenn sie von der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft oder mittels gerichtlicher Anordnung kommen. Es ist jedenfalls notwendig, die Polizei zu involvieren und eng mit der Exekutive zusammenzuarbeiten, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Wichtig ist also eine gute Kooperation des Rechtsanwalts, der den Transaktionsfluss nachvollziehen kann, mit Polizei und Staatsanwaltschaft.

 

anwaltfinden.at: Wie kann ein Anwalt Opfern von solchen Betrugsmodellen zur Seite stehen?

Unsere Kanzlei verfügt über die benötigten Spezialprogramme und arbeitet auch mit externen Dienstleistern (Blockchainforensikern) zusammen. Wenn wir wissen, wohin die Kryptowährung übermittelt werden, können wir diese auch nachverfolgen. Wir stehen im ständigen Austausch mit den Behörden und bereiten alles vor, damit der Polizei/Staatsanwaltschaft alle erforderlichen Informationen zur Verfügung stehen, um unverzüglich zu handeln.

Angefangen bei der Sachverhaltsdarstellung unterstützen wir unsere Klienten in jedem Schritt des Prozesses und bereiten die Informationen für die Exekutive vor. Je detaillierter vorgearbeitet wird, desto schneller geht es dann. Denn wenn die Polizei erst zu ermitteln beginnen und diese Informationen selbst sammeln muss, wird es in der Regel zu lange dauern und die Chancen stehen für den Geschädigten nicht gut. Es ist also sinnvoll, einen spezialisierten Anwalt hinzuzuziehen.

 

anwaltfinden.at: Haben Sie einen Tipp für unsere User, die befürchten, Opfer eines Betrugsmodelles mit Kryptowährungen geworden zu sein?

Zunächst ist festzuhalten, dass es keine Schande ist Opfer eines Betruges geworden zu sein. Es gibt gute Gründe, in die Offensive zu gehen und sich professionelle Hilfe bei der Schadensbegrenzung zu holen.

Darüber hinaus: Überweisen Sie nichts mehr an die Betrüger! Oft versuchen diese das Opfer davon zu überzeugen, dass nur noch eine weitere kleine zusätzliche Zahlung notwendig wäre, damit sie ihr Geld zurückbekommen. Auf keinen Fall sollte diesen Aufforderungen Folge geleistet werden.

Zahlen Sie nichts mehr an die Betrüger, werden Sie sofort aktiv und ziehen Sie schnellstmöglich einen Spezialisten zu Rate.

 

Mag. Roman Taudes LL.M. – Ihr kompetenter Ansprechpartner im Schadenersatzrecht

Über das Internet betrogen zu werden, ist eine unangenehme Angelegenheit. Mag. Roman Taudes ist Rechtsanwalt für Schadenersatzrecht und Experte für alle Belange rund um Betrugsmodelle mit Kryptowährungen. Gerne betreut er Sie persönlich in seiner Kanzlei in 1010 Wien und nimmt Ihnen Ihre Sorgen ab. Mag. Roman Taudes unterstützt Sie im gesamten Prozess und berät Sie ausführlich zu Ihren rechtlichen Optionen, damit Sie zu Ihrem Recht kommen. Mehr Informationen sowie Kontaktdaten finden Sie auf dem Profil von Mag. Roman Taudes auf anwaltfinden.at.