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Wissenswertes zu den unterschiedlichen Testamentsformen in Österreich – Interview mit Dr. Markus Bernhauser, LL.M., Rechtsanwalt und Experte im Erbrecht

Dr. Markus Bernhauser Kanzleiteam-1010-Wien

Die wichtigsten Testamentsformen in Österreich sind das eigenhändige und das fremdhändige Testament. Daneben gibt es außerdem das mündliche sowie das öffentliche Testament. Was man unter diesen Testamentsformen genau versteht, worin die wesentlichen Unterschiede zwischen einem eigenhändigen und einem fremdhändigen Testament liegen und worauf man bei deren Errichtung achten sollte, beantwortet Ihnen Dr. Markus Bernhauser, LL.M., Rechtsanwalt und Erbrechtsexperte, im folgenden Interview.

anwaltfinden.at: Herr Dr. Bernhauser, könnten Sie sich unseren Usern kurz vorstellen?

Ich bin seit 1992 als Rechtsanwalt in einer Kanzleigemeinschaft tätig, in der wir ein großes Spektrum an Causen, sowohl im Zivil- als auch im Strafrecht, behandeln.

Ich habe mich im Zivilrecht unter anderem auf das Erbrecht spezialisiert, wobei ich meine Mandanten beispielsweise bei ihrer Nachlassplanung und ihrer Testamentserrichtung unterstütze. Außerdem kommen immer wieder Mandanten zu mir, um sich in einem Verlassenschaftsverfahren oder vor Gericht in Erbstreitigkeiten vertreten zu lassen.

 

anwaltfinden.at: Kurz zur Einleitung – was versteht man unter einem Testament und welche Testamentsformen gibt es in Österreich?

Unter einem Testament versteht man eine letztwillige Verfügung eines Erblassers, die eine Erbeinsetzung enthält. Der Erblasser setzt also bestimmte Personen als seine Rechtsnachfolger bzw. Erben ein.

Bei sonstigen letztwilligen Verfügungen – früher auch Kodizill genannt – erfolgt keine Erbeinsetzung, sondern der Erblasser verfügt lediglich über bestimmte Gegenstände bzw. Vermögenswerte.

Das eigenhändige Testament und das fremdhändige Testament sind die häufigsten und wichtigsten Testamentsformen.

 

anwaltfinden.at: Wer kann ein Testament errichten?

Grundsätzlich kann jeder, der testierfähig ist, ein Testament selbst errichten.

Das eigenhändige Testament kann jede testierfähige Person über 18 Jahre errichten. Hierbei hat die Testierfähigkeit geringere Voraussetzungen als die übliche Geschäftsfähigkeit. Sonstige besondere Voraussetzungen sind nicht erforderlich.    

 

anwaltfinden.at: Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede zwischen einem eigenhändigen und einem fremdhändigen Testament?

Sowohl bei einem eigenhändigen als auch einem fremdhändigen Testament sind die Formvorschriften zu beachten.

Ein eigenhändiges Testament muss mit der eigenen Hand – also einem Kugelschreiber oder einer Füllfeder – geschrieben sein, nicht aber mit der Maschine. Es muss tatsächlich eigenhändig geschrieben und unterschrieben werden. Außerdem ist es sinnvoll, Ort und Datum anzuführen, auch wenn es sich hierbei nicht um eine Gültigkeitsvoraussetzung handelt. Es ist nämlich durchaus vorstellbar, dass jemand in zeitlichen Abständen mehrere Testamente errichtet – in einem solchen Fall wäre das letzte Testament entscheidend. Daher ist es sinnvoll, das Testament zu datieren.   

Bei einem fremdhändigen Testament sind strengere Formvorschriften zu beachten. Sollten diese nicht eingehalten werden, dann ist das Testament ungültig. Das gilt ebenso für das eigenhändige Testament, bei dem die Formvorschriften jedoch einfacher zu handhaben sind.

Bei einem fremdhändigen Testament ist der Text üblicherweise maschinengeschrieben bzw. nicht vom Erblasser handgeschrieben, weshalb strengere Formvorschriften erforderlich sind. Es müssen drei Testamentszeugen während des gesamten Testiervorgangs anwesend sein. Der Erblasser muss das Testament, in Gegenwart der drei ersuchten Testamentszeugen, eigenhändig unterschreiben. Außerdem muss er schriftlich hinzufügen, dass das besagte Testament seinen letzten Willen enthält. Die Testamentszeugen müssen auf dem Testament ebenfalls eigenhändig unterschreiben, mit dem eigenhändigen Zusatz, dass sie das Testament als ersuchte Testamentszeugen unterschreiben – das ist eine Gültigkeitsvoraussetzung. Die Zeugen müssen darüber hinaus identifizierbar sein. Es empfiehlt sich daher, neben deren Namen auch ihre Adresse, allenfalls ihr Geburtsdatum anzuführen, damit sie jedenfalls identifizierbar sind.

Ein fremdhändiges Testament wird üblicherweise in einer Anwaltskanzlei oder in einem Notariat errichtet.

 

anwaltfinden.at: Wer kommt als Zeuge in Frage bzw. nicht in Frage?

Als Zeuge kommt jede erwachsene Person in Frage, die über 18 Jahre alt ist, die den Gebrauch der Vernunft hat, den Testiervorgang entsprechend wahrnehmen kann und die kein ausgeschlossener Zeuge ist.

Als Zeuge kommt zum Beispiel nicht in Frage, der Bedachte selbst oder nahe Angehörige des Bedachten, beispielsweise der Ehegatte, die Eltern, Kinder oder Geschwister. Bei diesen handelt es sich um keine Personen, die ein gültiges Testament bezeugen können, sogenannte relativ unfähige Zeugen.

Möchte man zum Beispiel eine Wohltätigkeitsorganisation oder ein Unternehmen als Erben einsetzen, dann dürfen die Zeugen keine organschaftlichen Vertreter des besagten Unternehmens bzw. Gesellschafter sein. 

Oft handelt es sich bei den Zeugen um Mitarbeiter der Kanzlei.

 

anwaltfinden.at: Wann ist die Errichtung eines Testaments sinnvoll bzw. welche Vorteile bietet es?

Ein Testament ist immer dann sinnvoll, wenn man eine andere Regelung als die gesetzliche Erbfolge möchte. Wenn jemand stirbt und kein Testament hinterlässt, dann tritt grundsätzlich die gesetzliche Erbfolge ein, abhängig davon, welche Angehörige vorhanden sind.

Wenn jemand einen Ehegatten und Kinder hat, dann sind diese die gesetzlichen Erben. Wenn kein Ehegatte und keine Kinder vorhanden sind, dann sind die Eltern und allenfalls deren Abkömmlinge bzw. in weiterer Reihenfolge die Großeltern und deren Abkömmlinge bzw. die Urgroßeltern, die gesetzlichen Erben.  

Möchte man daher eine andere Regelung als die gesetzliche Erbfolge oder bestimmte Angehörige nicht als Erben, dann ist es jedenfalls sinnvoll, ein Testament zu errichten und jene Personen als Erben einzusetzen, die man bedenken möchte.

Sofern man das Testament bei einem Rechtsanwalt errichten lässt, besteht ein Vorteil darin, dass dieses üblicherweise im Zentralen Testamentsregister angezeigt wird. Es gibt für jeden Sprengel einen Notar, der, sobald jemand in Österreich in seinem Sprengel verstirbt, beim Zentralen Testamentsregister nachfragt, ob ein Testament vorhanden ist. Die Testamente werden im Zentralen Testamentsregister zwar nicht aufbewahrt, aber sobald man dort nachfragt, informiert es den zuständigen Notar darüber, wo das Testament aufbewahrt wird – in der Regel bei dem Rechtsanwalt oder dem Notar, der es errichtet hat. Das erleichtert die Auffindbarkeit des Testaments und verhindert, dass dieses möglicherweise in irgendeiner Schublade liegt und nicht mehr gefunden wird.

   

anwaltfinden.at: Welche Fehler können bei der Erstellung einer eigenhändigen bzw. fremdhändigen Verfügung auftreten? Wodurch werden sie unwirksam?

Ein möglicher Fehler bei einem eigenhändigen Testament könnte darin bestehen, dass man denkt, es reicht, wenn es eigenhändig mit der Maschine geschrieben wird. Ansonsten ist, sofern es mit der Hand geschrieben und unterschrieben wird und der Wille des Erblassers klar zum Ausdruck kommt, kaum ein formeller Fehler möglich.  

Bei einem fremdhändigen Testament sind die Möglichkeiten, Fehler zu machen, hingegen größer. Es genügt, wenn nicht alle Zeugen gleichzeitig anwesend sind, wenn die Unterschrift des Erblassers nicht in Gegenwart und vor den Zeugen erfolgt oder wenn er die Erklärung, dass es sich um seinen letzten Willen handelt, nicht hinzufügt. Weitere Fehler sind etwa, wenn die Testamentszeugen nicht handschriftlich vermerken, dass sie das Testament als ersuchte Testamentszeugen bestätigen bzw. wenn auf den Beisatz „als ersuchter Testamentszeuge“ gänzlich vergessen wird. Daher empfiehlt es sich, ein fremdhändiges Testament bei einem Anwalt errichten zu lassen. 

 

anwaltfinden.at: Darüber hinaus gibt es noch das öffentliche Testament bzw. das mündliche Testament. Was versteht man unter diesen beiden Testamentsformen?

Dem öffentlichen Testament kommt aus meiner Sicht keine große Bedeutung zu. Ein öffentliches Testament wird unter besonderen Formvorschriften bei Gericht oder einem Notar errichtet. In dieser Form können mündige Minderjährige – das heißt, Personen, die zwischen 14 und 18 Jahre alt sind – testieren. Der Gerichtsbeamte, also der Richter oder Notar, muss sich von deren grundsätzlicher Testierfähigkeit ein Bild machen und dies in einem kurzen Vermerk im Protokoll festhalten.   

Das mündliche Testament gibt es lediglich in Form eines Nottestaments. Ein Nottestament kann errichtet werden, wenn sich jemand in unmittelbarer Todesgefahr oder in unmittelbarer Gefahr, seine Testierfähigkeit zu verlieren, befindet. Bei der Errichtung eines Nottestaments müssen zwei Testamentszeugen, wobei es sich bei den Zeugen auch um mündige Minderjährige handeln kann, anwesend sein. Ein Nottestament ist zeitlich nur beschränkt wirksam, nämlich drei Monate ab Wegfall der Gefahr.

 

anwaltfinden.at: Mit welchen Kosten sind bei der Errichtung eines Testaments in etwa zu rechnen?

Das hängt vor allem vom Aufwand und der Höhe des Vermögens des Erblassers ab. In der Regel bewegt man sich, bei einem durchschnittlichen Aufwand und durchschnittlichen Vermögensverhältnissen, in einer Größenordnung von etwa 500€, wobei es sinnvoll bzw. üblich ist, vorab eine Pauschalierung zu vereinbaren.

 

anwaltfinden.at: Wie können Sie als Experte im Erbrecht Mandanten bei ihrer Testamentserrichtung unterstützen?

Zunächst erfrage ich, was sich der Erblasser wünscht bzw. welche Regelung dieser haben möchte und welche Hintergründe es hierfür gibt. Danach erkläre ich, wie man das Gewünschte am besten umsetzen kann und formuliere dementsprechend das Testament. 

 

Herzlichen Dank, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben

 

Dr. Markus Bernhauser, LL.M. – Ihr verlässlicher Anwalt im Erbrecht

 

Sie benötigen Unterstützung bei der Errichtung Ihres Testaments oder haben ein anderes Anliegen im Erbrecht? Dr. Markus Bernhauser freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme. In einem persönlichen Erstgespräch, in seiner Kanzlei in 1010 Wien, klärt Sie Dr. Markus Bernhauser über Chancen und etwaige Risiken auf. Alle Kontaktdaten sowie weitere Informationen finden Sie auf dem Profil von Rechtsanwalt und Erbrechtsexperte, Dr. Markus Bernhauser, LL.M., auf anwaltfinden.at.